BERGMANN
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Was bedeutet "Frei" ?
oder Was bedeutet der Begriff "Offene Software"?

Viele Menschen, für die Freie Software neu ist, fühlen sich verwirrt, weil der Begriff "frei" nicht so gebraucht wird, wie sie es vermuten. Für sie hat frei die Bedeutung "kostenlos". Mein Wörterbuch verzeichnet siebzehn verschiedene Bedeutungen für "frei" (bzw. Übersetzungen von "free"). Nur eine davon ist "unentgeltlich, kostenlos". Der Rest bezieht sich auf Freiheit und Fehlen von Zwängen. Wenn wir von Freier Software sprechen, meinen wir eher deren Nutzbarkkeit und nicht deren Preis.

Software, die frei ist nur in dem Sinne, daß Sie nichts für deren Nutzung zahlen müssen, ist eher nicht frei. Es ist Ihnen vielleicht verboten, sie weiterzugeben. Und Sie werden höchst wahrscheinlich daran gehindert, sie zu verbessern. Software mit einer kostenlosen Lizenz is häufig eine Waffe in einer Werbekampagne, um ein verwandtes Produkt zu fördern oder einen kleineren Wettbewerber aus dem Markt zu drängen. Es gibt keine Garantie, daß sie frei bleibt.

Wirklich freie Software ist immer frei. Public Domain Software kann weggeschnappt und Teil von nicht freien Programmen werden - und ist damit nicht mehr frei. Um frei zu bleiben, muß Software urheberrechtlich geschützt und lizensiert werden.

für den Uneingeweihten ist ein Stück Software entweder frei oder nicht frei. Das reale Leben ist komplizierter als das. Um zu verstehen, was impliziert wird, wenn Software als frei bezeichnet wird, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Welt der Softwarelizenzen machen.

Copyrights (Urheberrechtsangaben) sind eine Methode, die Rechte des Erschaffenden bestimmter Werke zu schützen. In den meisten Ländern ist die Software, die Sie schreiben automatisch urheberrechtlich geschützt. Eine Lizenz ist die Möglichkeit des Autoren, die Nutzung seines Werkes (Software in diesem Fall) durch andere auf eine Art, die für ihn akzeptabel ist, zu erlauben. Es ist Sache des Autoren, eine Lizenz beizufügen, die bestimmt, auf welche Weise die Software genutzt werden kann. Für eine angemessene Diskussion von Copyrights siehe http://lcweb.loc.gov/copyright/.

Natürlich brauchen verschiedene Umstände auch verschiedene Arten von Lizenzen. Softwarefirmen sind bestrebt, ihre Aufwendungen zu sichern, so daß sie nur kompilierten Code (der vom Menschen nicht lesbar ist) veröffentlichen und die Nutzungsmöglichkeiten dieser Software stark einschränken. Andererseits suchen Autoren freier Software nach Kombinationen von:

  • Nicht zuzulassen, daß ihr Code in kommerzieller Software verwendet wird. Da sie den Code anderen ohne Profit für sich selbst zur Verfügung stellen, wollen sie nicht, daß jemand anderes kommt und daraus kommerzielle Software macht.
  • Schutz der Identität der Urheberschaft des Codes. Menschen sind sehr stolz auf ihr Werk und wollen nicht, daß jemand ihren Namen daraus entfernt oder behauptet, er habe die Software geschrieben.
  • Verbreitung des Quellcodes. Eines der Probleme mit den meisten kommerziellen Softwareprodukten ist, daß man Fehler nicht beheben kann oder es für eine bestimmte Anwendung anpassen kann, da der Quellcode nicht verfügbar ist. Darüberhinaus entscheidet die Firma vielleicht, diejenige Hardware, die man gerade nutzt, nicht mehr zu unterstützen. Viele freie Lizenzen erzwingen die Verbreitung des Quellcodes. Dieses schützt den Nutzer, da es ihm Anpassungen für seine Zwecke erlaubt. Dies hat auch noch weitere Auswirkungen, die später diskutiert werden.
  • Die Erzwingung, daß alle Produkte, die einen Teil ihres Produktes enthalten (das nennt man abgeleitete Werke, wenn es um Urheberrechte geht) die gleiche Lizenz nutzen.

Viele Menschen schreiben ihre eigene Lizenz. Dies wird eher mißbilligt, da es beim Erzeugen einer Lizenz, die genau das aussagt was man will, um sehr subtile Dinge geht. Zu oft ist entweder die Aussage zweideutig oder einzelne Bedingungen sind widersprüchlich. Die Formulierung einer Lizenz, die vor Gericht Bestand hat, ist sogar noch schwerer. Zum Glück gibt es eine Anzahl von bereits ausformulierten Lizenzen, die höchst wahrscheinlich das bieten, was man braucht.

Vier der am weitesten verbreitetn Lizenzen sind:

Alle diese Lizenzen haben einige Eigenschaften gemeinsam:

  • Man kann die lizensierte Software auf beliebig vielen Maschinen installieren.
  • Beliebig viele Personen können diese Software gleichzeitig benutzen.
  • Man kann so viele Kopien dieser Software erzeugen wie man will und sie an wen auch immer verteilen (freie oder offene Verbreitung).
  • Es gibt keine Beschränkung bei der Modifizierung dieser Software (außer, daß bestimmte Anmerkungen erhalten bleiben müßen).
  • Es gibt keine Einschränkung bezüglich des Verkaufs dieser Software.

Dieser letzte Punkt, der den Verkauf von Software gegen Geld erlaubt, scheint im Gegensatz zur Idee von freier Software zu stehen. Tatsächlich ist er einer ihrer Stärken. Da die Lizenz die freie Weiterverbreitung erlaubt, kann jeder, der eine Kopie besitzt, weitere Kopien verbreiten. Er kann auch versuchen, sie zu verkaufen. Die Idee dahinter ist, daß es so gut wie nichts kostet, Kopien von Software zu erstellen. Angebot und Nachfrage werden den Preis niedrig halten. Wenn es für ein großes Softwareprodukt oder eine Sammlung von Software geeignet ist, diese auf einem Medium wie CD zu verbreiten, kann der Hersteller dafür verlangen, was er will. Wenn die dabei angesetzte Gewinnspanne allerdings zu hoch ist, werden weitere Hersteller auf den Markt treten und der Wettbewerb wird zu einer Preissenkung führen. Als Ergebnis kann man z.B. in den USA eine 2 CD Distribution von Debian für weniger als 5 Dollar kaufen.

Während freie Software nicht komplett frei von Zwängen ist (nur Public Domain Software ist das), gibt sie doch dem Anwender die Flexibilität, das zu tun, was zur Erreichung seines Ziels nötig ist. Zur gleichen Zeit werden die Rechte des Urhebers geschützt. Das ist echte Freiheit.

Text auszugsweise von der Debian Distribution.

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